Weltbekannt und im internationalen Städtetourismus ein Evergreen: Das ist Heidelberg, und das wiederum bedeutet träumerische Romantik zwischen der Alten Brücke und dem überwältigenden Schloss. Universität und Studentenszene, das Kultur- und Veranstaltungsangebot, die ebenso herzhafte wie herzliche Gastronomie und die herrliche Lage am Neckar und zwischen den Ausläufern des Odenwaldes: Alles Gründe für die Popularität der Stadt, die schon für Goethe „etwas Ideales“ hatte.
Magnet für Millionen
Mit jährlich rund drei Millionen Tagestouristen liegt Heidelberg mit an der Spitze der Besucherstatistiken Deutschlands. Was ein bisschen schade ist, denn die Stadt ist viel mehr als eine Affäre für einen Tag. Wer sich etwas mehr Zeit nimmt, wird die vielen etwas abseits der großen Besucherströme liegenden Schönheiten entdecken und sich vom speziellen Lebensgefühl anstecken lassen, das Heidelberg von vielen anderen Universitätsstädten unterscheidet.
700 Jahre Geschichte und ein trinkfester Hofzwerg
Dass man das etwa 70 Meter über dem Neckar am Hang des Hausbergs, des Königstuhls, thronende Schloss sehen möchte, wenn man nach Heidelberg kommt, versteht sich von selbst. Und tatsächlich gehören das Schloss und seine Nebengebäude zum Eindrucksvollsten, was man auf einer Deutschlandreise bewundern kann. Man kann das Schloss auf eigene Faust entdecken, aber es lohnt sich, eine Führung mitzumachen. Schon, um die Geschichte des Schlosses zu verstehen, das in 700 Jahren so einiges erlebt hat. Um die wechselvollen Zeiten zu überstehen, haben sich die Schlossherren wahrscheinlich das eine oder andere Mal in den fürstlichen Weinkeller begeben. Hier ruht das größte Fass der Welt: Gefertigt aus 130 Eichenstämmen, über acht Meter lang, sieben Meter breit und mit einem Fassungsvermögen von 221.726 Litern. Als Fasswächter setzte Kurfürst Karl Theodor eine Zeit lang den Hofzwerg Perkeo aus Italien ein, dessen Name von seiner Trinkfreude abgeleitet sein soll: Immer wenn man ihn fragte, ob er noch ein Glas Wein trinken wolle, antwortete er: „perché no?“ – warum nicht?
Heidelbergs Altstadt: Plätze zum Verlieben
Vom Schloss geht es über den Burgweg in die Altstadt. In ihrem Zentrum liegt der Marktplatz mit einem der vielen schönen Brunnen Heidelbergs, mit vornehmen Bürgerhäusern, vielen Cafés und noch mehr kleinen Läden. Und natürlich der berühmten Heiliggeistkirche. Von hier sind es nur ein paar Schritte zum Kornmarkt, für viele der schönste Platz Heidelbergs. Die Madonna von 1718, eine von Engeln getragene Brunnenfigur, sollte nach der Gegenreformation die abtrünnigen Protestanten zum rechten Glauben zurückführen. Heute freut man sich über die anmutige Statue und die Postkartenansicht „Kornmarktmadonna mit Schloss“.
Studentisches Leben: zwischen Hörsaal und Kneipe
Auch den nächsten Platz, den Karlsplatz, ziert ein Brunnen, der sich spielerisch mit der Kosmografie des berühmten Humanisten Sebastian Münster auseinandersetzt. Und auch das hat etwas Typisches für Heidelberg: Denn neben den Kurfürsten bestimmten vor allem die Gelehrten über Jahrhunderte das geistige und kulturelle Leben der Stadt. Gerade die Universität, die älteste auf deutschem Boden, zog große Namen an, als Studenten oder Professoren, unter ihnen Geistesgrößen wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Robert Bunsen, Max Weber oder Karl Jaspers. Heute sind etwa 28.000 Studierende an der Universität immatrikuliert, die aber nicht nur fleißig studieren, sondern auch die vielen Kneipen und Cafés der Stadt bevölkern. Denn auch das hat in Heidelberg Tradition, wie man es sich in den schönen alten Studentenkneipen wie dem Sepp’l und Zum Roten Ochsen bei einem Gläschen Wein lebhaft vorstellen kann.