Die documenta verwandelt Kassel alle fünf Jahre für genau 100 Tage in ein Museum für zeitgenössische Kunst. Die 15. documenta wird von einem Künstlerkollektiv aus Indonesien kuratiert und findet vom 18. Juni bis 25. September 2022 statt.

Der Aktionskünstler Joseph Beuys ließ 1982 700 Eichen anlässlich der „documenta 7“ pflanzen. Und 2007 brachte der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei 1.001 Holzstühle aus der Quing-Dynastie zur „documenta 12“ nach Kassel mit. Joseph Beuys und Ai Weiwei gehören mit zu den berühmtesten zeitgenössischen Künstler, die auf der documenta in Kassel ihre Werke der Weltöffentlichkeit präsentierten. Seit 1955 verwandelt sich die Stadt in Nordhessen alle fünf Jahre für 100 Tage in ein Museum der Gegenwartskunst. Es ist die größte und wichtigste Ausstellung ihrer Art weltweit. Präsentiert werden an verschiedenen, über die Stadt verteilten Ausstellungsorten Kunstwerke aus den Bereichen Malerei, Fotografie und Installationen.

Die documenta erfindet sich, ihrem Selbstverständnis entsprechend, organisatorisch und konzeptionell alle fünf Jahre neu. Die Ausstellungsleitung, die von einer international besetzten Findungskommission bestimmt wird, liegt in wechselnden Händen und genießt absolute künstlerische Freiheit. Die unterschiedlichen Kuratoren bringen jeweils ihre Sicht auf die Kunst der Gegenwart ein und stoßen so immer wieder gesellschaftspolitische Diskurse an.

Forum für verbotene Kunst

Als die documenta 1955 in Kassel begleitend zur Bundesgartenschau das erste Mal eröffnet wurde, hatte kaum jemand mit einer solchen Erfolgsgeschichte gerechnet. Initiatoren waren der Künstler und Kurator Arnold Bode sowie der Kunsthistoriker Werner Haftmann. In der Ruine des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Museum Fridericianum präsentierten sie vor allem Kunst seit dem frühen 20. Jahrhundert, die in der Zeit des Nationalsozialismus als „entartet“ galt und nicht gezeigt werden durfte. Für den Namen „documenta“ entschieden sich die Gründer, weil sie eine „Dokumentation moderner Kunst“ anstrebten.

Kollektiv wird zum Kurator

Seit der ersten Ausstellung zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges durchlief die documenta vielfältige Veränderungen. Das mediale Interesse und die Besucherzahlen stiegen in den Folgejahren rasant. Zur ersten documenta kamen immerhin 130.000 Interessierte. Die documenta 14 im Jahr 2017, die erstmals in zwei verschiedenen Städten stattfand, zählte knapp 900.000 Besucher in Kassel und rund 340.000 Besucher am zweiten Standort in Athen. Auch die documenta 15, die vom 18. Juni bis zum 25. September 2022 ihre Pforten öffnet, wartet mit einer konzeptionellen Neuerung auf. Erstmals übernimmt ein Künstlerkollektiv die Leitung. Die im Kern zehnköpfige Gruppe namens „ruangrupa“ mit Künstlern und Kreativen aus dem indonesischen Jakarta will eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform schaffen. Das Kollektiv möchte den außereuropäischen Blick auf die Kunst wagen und das Augenmerk auf Probleme richten, die ihren Ursprung im Kapitalismus, im Kolonialismus und in patriarchalen Strukturen haben. Mit diesem Ansatz sollen auch Menschen jenseits des gängigen Kunstpublikums angesprochen werden.

Kassel lockt mit Märchenwelt

Doch Kassel bietet sehr viel mehr als die documenta. Die herrlich grüne Stadt in Nordhessen lockt mit wunderbaren Schlössern, spektakulären Museen, hochkarätigen Veranstaltungen, ausgedehnten Parks und einer lebendigen alternativen Szene. Seit 2013 zählt das Gesamtkunstwerk Bergpark Wilhelmshöhe zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Landschaftsgarten ist der größte Bergpark Europas. Hauptanziehungspunkte sind die vielfältigen und beleuchteten Wasserspiele, die Aussichtsplattform mit dem Wahrzeichen des Herkules, die berühmte Gemäldegalerie Schloss Wilhelmshöhe und die malerische Löwenburg. Märchenfans können in Kassel in die Grimmwelt eintauchen. In dem künstlerisch und interaktiv gestalteten Ausstellungshaus erwachen die wundersamen und lehrreichen Geschichten der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm zum Leben.