Nie mehr verlaufen, Gepäck vorausschicken, freundlicher Empfang: Vier zertifizierte Mittelgebirgsregionen bieten Wanderern ein Rundum-sorglos-Paket. Wir stellen sie vor.

Gebratene Hühner flattern Ihnen unterwegs zwar nicht in den Mund. Gleichzeitig gibt es das Schlaraffenland für Wanderer in Deutschland. Immer den Weg finden dank perfekter Beschilderung? Selbstverständlich. Nur einen leichten Proviantrucksack auf dem Rücken? Auch möglich, denn schließlich gibt es Gepäcktransfer. Ohne eigenes Auto zum Startpunkt der Wanderung? Beste Vernetzung der Wanderwege mit öffentlichen Verkehrsmitteln macht’s möglich.

Und wenn Sie von Etappe zu Etappe bei Mehrtageswanderungen stilvoll übernachten wollen? Auch darauf haben sich die Qualitätsregionen „Wanderbares Deutschland“ eingestellt.

Bislang zertifiziert sind vier solcher Regionen, die sich auch auf Naturparke erstrecken, immer aber in schöner Mittelgebirgslandschaft befinden. Zehn weitere Wanderreviere sind derzeit im Zertifizierungsprozess des Deutschen Wanderverbands – der die Anforderungen hoch setzt. So müssen mindestens fünf Tage abwechslungsreicher Wanderurlaub möglich sein. Die Wege führen zu einem großen Teil über naturbelassene Pfade und werden nachhaltig gepflegt.

Die Gastgeber haben sich mit ihrem Service ganz den Wandertouristen verschrieben, sie servieren reichhaltige Frühstücke und schnüren Lunchpakete. Alle paar Kilometer muss der Wanderer einkehren können. In den örtlichen Touristen-Informationen stehen Profis mit Rat und Tat bereit. Sie kennen quasi jeden Pfad.

Wir stellen die vier Vorreiterregionen vor:

Der Duft von Wasserminze liegt in der Luft, eine Mönchgrasmücke zwitschert. Es geht durch eine kleine Schlucht, rechts und links üppiges Grün, Wildblumen blühen in allen möglichen Farben. Das Mühlental im Hochsauerland bei Brilon, umgeben von altem Laubwald, ist an sich schon ein Naturidyll. Doch es kommt noch besser. Denn wer dem Tal Richtung des Örtchens Alme folgt, ist in einem der größten Quellgebiete Deutschlands unterwegs.

An insgesamt 104 Stellen kommt das Wasser aus der Erde und speist einen aufgestauten Teich, der bald daliegt wie eine Glasscheibe, unter der Sie mit ein bisschen Geduld Forellen entdecken können. Sie sind angekommen an einem der sogenannten Seelenorte in Deutschlands erster Qualitätsregion „Wanderbares Deutschland“. 2014 wurden die „Sauerland-Wanderdörfer“ als Vorreiter ausgezeichnet.

43 solcher kraftspendenden Orte können Sie im Sauerland erleben – Felsen und Steinbrüche, Kirchen und Bergkuppen, mächtige Bäume und unterirdische Grotten, Seen und Täler. Dort finden Sie Ruhe oder zu sich selbst, zum Beispiel in der Friedenskapelle in Olsberg-Elleringhausen oder am erhabenen Rinsleyfelsen bei Lennestadt-Saalhausen. Er ragt majestätisch über das Blätterdach. Wer nach oben klettert, erreicht das kleine Gipfelplateau und kann nicht nur den Blick, sondern auch die Gedanken schweifen lassen.

Das Sauerland, eine Region, die sich im welligen Hügelland des Rothaargebirges zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen erstreckt, lässt aber auch Herzen eher sportlich ambitionierter Wanderer höherschlagen: Fernwanderwege wie der „Rothaarsteig“ durchqueren die insgesamt 280 „Wanderdörfer". Und Mehrtageswanderwege liegen komplett in deren Wegenetz. Etwa der 63 Kilometer lange „Diemelsteig" in Nordhessen, der tolle Aussichten auf den aufgestauten Diemelsee im gleichnamigen Naturpark bietet. Oder die „Winterberger Hochtour“, die durch acht Täler und zum Kahlen Asten (842 Meter) führt, dem bekanntesten Berg der Gegend im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge.

Mit bestens ausgeschilderten 4.350 Kilometern können Sie sich im „unverlaufbaren“ Wegenetz der Wanderdörfer niemals verzetteln. Zudem sind einige Wege barrierefrei und können mit dem Rollstuhl bewältigt werden, zum Beispiel die Seelenortwanderung „Freistuhl“ ab Düdinghausen, die zu einem mittelalterlichen Gerichtsplatz führt – auch das ist übrigens einer der Seelenorte.

www.sauerland-wanderdoerfer.de

Der dunkle Wald grenzte an wichtige Handelsrouten. Perfekt für Überfälle. Nach einem Raub konnten sich die Übeltäter schnell wieder ins Unterholz verziehen. Heute ist das „Räuberland“ im größten Mischwaldgebiet Deutschlands, dem Spessart, ein Hort der Ruhe. Das Wegenetz des „Räuberlands“ im nördlichen Bayern von 450 Kilometern führt auf vergleichsweise kleinem Raum durch prächtige Natur und sehenswerte Kulturlandschaften.

So entdecken Sie allerorten alte Streuobstwiesen. Die Dichte an Schnapsbrennereien ist hoch, ebenso das Angebot an edlen Obstbränden und -säften aus regionalen Keltereien – perfekt, um Flachmann oder Feldflasche aufzufüllen. Es werden geführte Kräuterwanderungen angeboten, Sie können an Familienwanderungen teilnehmen, GPS- und Geocaching-Touren unternehmen, barrierefrei wandern, als Event „Räuberüberfälle“ buchen. Und wenn Sie sich dann noch trauen, auf einem Trekkingplatz mitten im Wald zu übernachten, ist das Abenteuer perfekt.

Ins schönste Naturschutzgebiet

In einen der schönsten Landstriche der Gegend führt der dreizehn Kilometer lange „Räuberpfad“, ab Rothenbuch in Unterfranken. Er liegt im ältesten Naturschutzgebiet Bayern, dem Hafenlohrtal, und gehört zum Naturpark Spessart. Im historischen Ortskern mit Jagdschloss, einst Verwaltungssitz des Spessarts, entspringt die Hafenlohr. Von dort geht es durch Wälder und Wiesen ins Tal, das schon den Dichter Kurt Tucholsky umwarf: „Dies ist eine Landschaft, die gibt es gar nicht mehr.“ Teils auf Bohlenstegen überqueren Sie das urwüchsige Tal, wo Sumpfbaldrian und Wollgräser gedeihen und sich Biber und Lurche wohlfühlen und unter Wasser Steinbeißer und Forelle.

Die Spessartforelle – eine Spezialität

Die Spessartforelle ist nur eine der Spezialitäten, die das „Räuberland“ in den Gasthöfen bereithält. Zu den Köstlichkeiten zählen auch saftige Kuchen und kunstvolle Torten, Wild- und Lammgerichte, Brotspezialitäten. „Das Wirtshaus im Spessart“ aber, das ist eine Erfindung des Märchenerzählers Wilhelm Hauff, der die gleichnamige Novelle von 1828 im Spessart spielen ließ. Dort, wo einst die Räuber hausten.

www.spessartraeuberland.de

Manchmal spiegelt sich Schloss Mitwitz wunderschön im Wassergraben. Es war Sitz eines ritterlichen Adelsgeschlechts und ist Startpunkt der „Wasserschloss-Runde“. Vierzehn Kilometer geht es über schmale Pfade, durch dichten Wald, entlang eines Baches, zu einem Felsenkeller, in dem früher Bierfässer lagerten, und dann den Fuchsberg hoch. Zur Rast lädt eine Gaststätte ein, wo es frisch gezapftes Bier aus neuen Fässern gibt und die Aussicht von der Terrasse über den Naturpark Frankenwald herrlich ist.

Die Runde ist nur einer von 32 „FrankenwaldSteiglas“: Touren, für die man meist einen halben Tag benötigt und die auch weniger routinierte Wanderer zu den Höhepunkten und Sehenswürdigkeiten des Frankenwaldes führen, ein Mittelgebirge im Nordosten Bayerns.

Weite Wiesen, steile Täler: Typisch Frankenwald

Neben den „Steiglas“ wartet auf ambitionierte Wanderer aber der „FrankenwaldSteig“, einer der wenigen Fernrundwanderwege Deutschlands. In dreizehn Tagesetappen erleben Sie auf 242 Kilometern frankenwald-typische Landschaft: Wiesentäler, steile Waldhänge, freie Hochflächen. Am Wegesrand liegt die Therme in Bad Steben, wo im Mittelalter eine Mineralquelle entdeckt wurde, oder Kronach: Hier wurde der Renaissance-Maler Lucas Cranach geboren, der den Reformator Martin Luther porträtierte.

Weil sich der Frankenwald auch als Genussregion versteht, reicht eine kleine Wegzehrung: Zu den lokalen Spezialitäten zählen „Blöchla“, ein röhrenförmiges Schmalzgebäck, das an die einst boomende Flößerei erinnert, aber auch „Seelenspitzen", ein Zopfgebäck, das man im Mittelalter verschenkte, um die Seelen der Verstorbenen aus dem Fegefeuer zu erlösen. Heute taugt es zum kräftigenden Wanderfrühstück, wie es viele Gastgeber servieren.

Im Naturpark Südschwarzwald wird es fast schon alpin. Immerhin liegt das Gipfelplateau des Kandel, höchster Berg im prämierten Wandergebiet „Zweitälerland“ im Südwesten Baden-Württembergs, auf 1.241 Metern. Zum Kandel und zu weiteren Gipfeln der Gegend führt Sie der 106 Kilometer lange „Zweitälersteig", der Wanderern viel abverlangt. Schroffe Felsen, tiefe Schluchten, aber auch tolle Weitsichten.

Abenteuerliche Wege, grandiose Aussichten

Auf mal steilen, mal felsigen, mal wildromantischen Pfaden jagt eine Attraktion die nächste: Die Zweribach-Wasserfälle stürzen sich über vierzig Meter ins Simonswälder Tal. Dort durchschreiten Sie die steile und immer enger werdende Teichschlucht, wo der Teichbach kaskadenartig über 250 Höhenmeter bergab fließt, bevor er in die Wilde Gutach mündet. Morbides Ritterfeeling verspricht die Burgruine Kastelburg. Eine grandiose Aussicht ins zweite der namensgebenden Täler, dem Elztal, eröffnet der Hörnleberg. Auf dem „Zweitälersteig“ bewältigt man in mehreren Tagen allein über 4.000 Höhenmeter – wahlweise ohne Sack und Pack, denn Gastgeber bieten Gepäcktransfer an. Man erkundet die landschaftliche Vielfalt der Wanderregion mit über 800 Kilometern markierter Wege.

Spezialität: Leckeres Holzofenbrot

Aber auch viele Tages- und Halbtagesmärsche bieten die ganze Palette: Durch Bergwiesen und duftende Kiefernwälder führt eine Tour zum Huberfelsen, ein als Naturdenkmal geschützter Granitklotz, der eigens erklommen werden kann. Ein anderer ist der Brotweg, der über gut zehn Kilometer fünf Höfe miteinander verbindet, auf denen wie in guter alter Zeit die Brotöfen rauchen. Also immer der Nase nach. Denn das Holzofenbrot mit der braunen Kruste, das seit ehedem traditionelle Schwarzwälder Vesperteller ziert, können Sie unterwegs kaufen und sich als Wegzehrung in den Rucksack packen. Das ist nur eine – wohlschmeckende – Qualität auf einem der Tausenden Kilometer der deutschen Qualitätswanderwege.