D steht für Deutschland und die D-Routen für ein weit verzweigtes Radnetz, das die Republik durchzieht. Dabei verbinden die deutschlandweiten Radrouten auf rund 12.000 Kilometern Abenteuer mit Komfort, Natur mit Kultur und das Gefühl von Freiheit mit der Verlässlichkeit gut ausgebauter Wege.

Entspannt unterwegs auf Deutschlands Radfernwegen

Nicht zuletzt seit dem Boom der E-Bikes entdecken immer mehr Leute das Radfahren als ebenso sportliche wie genussvolle Urlaubsform. Kein Wunder, kann hier doch jeder selbst entscheiden, wie schnell es voran gehen soll. Bei der Frage, wo es lang gehen soll, hilft das Radnetz Deutschland mit seinen 14 Radfernwegen enorm, sind sie doch so etwas wie die Hauptadern, Leitlinien, Erzählstränge im deutschen Fernradwegenetz. In der Tat verbinden die jeweils mehrere hundert Kilometer langen Radwege – in Summe kommen rund 12.000 Kilometer zusammen – eine ganze Reihe von Regionen, Landschaftstypen und Kulturräumen. Wer sich also auf eine D-Route begibt, fährt nicht nur von A nach B, sondern mitten hinein in ein Stück deutsche Geschichte und Reisekultur.

Was alle eint: Sie sind oft so konzipiert, dass sie auch weniger geübten Radlern ein angenehmes Vorankommen ermöglichen. Das liegt neben der einheitlichen Beschilderung auch an der guten Wegepflege und daran, dass viele Abschnitte auf fahrradfreundlichen Nebenwegen wie etwa ehemaligen Bahntrassen oder gar eigens angelegten Radtrassen verlaufen. Ideal, um mit leichtem Gepäck in den Tag zu rollen und in aller Ruhe die nächste radfreundliche Unterkunft, ob gebucht oder nicht, anzusteuern. Praktisch, dass sich am Wegesrand längst eine entsprechende Infrastruktur etabliert hat. Das schließt übrigens auch Ferienwohnungen, Höfe und Campingplätze mit ein. Für jeden Geldbeutel und Geschmack ist also das Passende dabei.

Zwei Personen machen eine Pause während einer Fahrradtour in Dresden. Sie tragen Helme und stehen neben ihren Fahrrädern an einer Steinmauer. Im Hintergrund schlängelt sich die Elbe durch eine grüne Landschaft. Der Himmel ist bewölkt und in der Ferne sind Gebäude zu sehen. Dresden: Paar macht eine Rast ©DZT (Udo Bernhart;CMR)

Ein Hoch auf die Spontaneität

Wobei sich das mit der Vielfalt auch auf den Charakter bezieht: Manche Routen folgen Flüssen, andere alten Handelswegen oder Küstenlinien. Einige präsentieren offene Landschaften, Moore, weite Felder, andere führen durch dichter besiedelte Regionen, Hingucker der Industriekultur und modernen Stadtarchitektur inklusive. Überall jedoch warten sie, die kleinen Aaah-Momente: Bäckereien, die nach frischen Brötchen duften, versteckte Badestellen, Rastplätze mit weitem Blick, Weinberge oder Biergärten, in denen womöglich die Frage aufkommt: weiterfahren oder weitertrinken, zum Beispiel ein zweites Radler? Wie gut, dass sich entlang der Strecken meist auch jede Menge Bahnhöfe befinden, denn so kann man – und das gilt nicht nur beim spontanen Feierabendvorverlegen – statt in die Pedale zu treten in den Zug steigen. Zumindest für ein, zwei Etappen.

Gut zu wissen: Derzeit besteht das Radnetz Deutschland aus 13 D-Routen plus dem Radweg Deutsche Einheit. Bei der D-Route 3, dem Europaradweg, die von der niederländischen bis zur polnischen Grenze quer durchs Land führt, rollen die Biker durch ein Panorama aus grünen Wiesen, lebendigen Städten und stillen Wäldern. Die südlicher gelegene Mittelland-Route (D-Route 4), eine der Hauptachsen des deutschen Radnetzes, verbindet ebenfalls West und Ost. Angesichts der Mittelgebirge kommen auf dem Weg von Aachen nach Zittau aber doch einige Höhenmeter mehr zusammen. Bei der sich an der Ostseeküste entlangschlängelnden D-Route 2 sind es hingegen deutlich weniger. Dank den nur geringen Steigungen, die sich zwischen langen Stränden, lebhaften Hansestädten und ruhigen Fischerdörfern ergeben, gilt sie als eine der gemütlichsten Fernstrecken.

Zwei Personen fahren mit dem Fahrrad auf einem von Grün umgebenen Weg in Ottersweier, Teil des Radweges Badischen Weinradweg. Im Hintergrund sind Hügel und Weinberge zu sehen. Ottersweier: Paar fährt auf Badischem Weinradweg ©Schwarzwald Tourismus GmbH (Chris Keller)

Lieber Lust auf Flussgeschichten?

Als eine der längsten und bekanntesten Routen des deutschen Radnetzes führt die D-Route 8 am Rhein entlang. Wer die burgen- und weinreiche Strecke vom Niederrhein bis zum Bodensee komplett unter die Räder nimmt, muss etwas mehr Zeit einplanen. Die Strecke misst 1.230 Kilometer. Nicht ganz so lang, aber auch meist am Fluss entlang verläuft die D-Route 6, wobei das D hier auch für Donau stehen könnte. Gleich mehrere Flüsse – Saar, Mosel, Rhein und Main – begleitet hingegen die D-Route 5 (Saar-Mosel-Main). Den Beinamen „Genießer-Route“ verdankt sie wohl den seltenen Steigungen sowie den kulinarischen Spezialitäten und Weinen, die am Wegesrand locken.

Interessant ist auch die D-Route 7. Auf dieser historischen Pilger-Route lassen sich wichtige religiöse Stätten in Deutschland und Europa per Rad erkunden. Europa? Ja, der Weg führt nämlich weiter nach Dänemark beziehungsweise Belgien und in die Niederlande. Und das ist keine Ausnahme: Fast alle D-Routen sind gut ins EuroVelo-Netz eingebunden. So können Nimmermüde nicht nur die eigenen Körpergrenzen überwinden, sondern problemlos auch Ländergrenzen. Richtung Atlantik, Mittelmeer oder Baltikum geht es meist genauso radfreundlich weiter. Ein Traum für alle, bei denen der (Rad-)Weg das Ziel ist!

Foto von zwei Radfahrern auf dem Elbradweg im Sonnenuntergang Radfahrer im Sonnenuntergang auf dem Elberadweg ©DZT (Szymon Nitka)