Städte & Kultur
Städte mit prächtigem Fachwerk: Historische Hingucker
Farbige Fassaden, schiefe Giebel, Holzbalken, goldene Inschriften, Ornamente und Schnitzereien: Manche Fachwerkhäuser sind wahre Kunstwerke und prägen mit ihrem Charme ganze (Alt-)Städte.
Tübingen: Jugendlicher Flair in alten Gassen
Tübingen: Marktplatz am Abend
©DZT (Francesco Carovillano)
Tübingen am Neckar zählt zu einer der jüngsten Städte des Landes. Der Grund: Fast ein Drittel der Bevölkerung sind Studenten, wobei der Großteil die "Eberhard Karls Universität" besucht – und die wiederum ist gar nicht jung, hat sie als eine der ältesten Unis Europas doch über 540 Jahre auf dem Buckel. Auf viele Jahrhunderte kommen auch zahlreiche farbenfrohe Gebäude in der Altstadt. Eines der beliebtesten Fotomotive dürfte das im Stil der Renaissance erbaute viergeschossige Rathaus darstellen: bunte Sgraffito-Malereien an der Außenfassade, darüber die kunstvolle, astronomische Uhr, davor der Neptunbrunnen auf dem Marktplatz. Den säumen eine Reihe hübscher Fachwerkhäuser, mehr davon finden sich in den Gassen drumherum, etwa das große Nonnenhaus in der Nähe des Stadtgrabens oder der 800 Jahre alte Stiefelhof. Wer zwischen hier, Schloss Hohentübingen und dem Neckarufer umherstreift, legt dann doch einige (Höhen-)Meter zurück. Aber das hält ja bekanntlich jung!
Quedlinburg: Fachwerk-Champion, Weltkulturerbe, lebendiges Museum
Quedlinburg: Altstadt Häuserfassade
©iStock (mije_shots)
Die einstige Königspfalz und Hansestadt am Nordostrand des Harzes blickt auf eine über 1.000-jährige Geschichte. So spiegelt sich in den Kostbarkeiten des Domschatzes der Stiftskirche noch heute der Glanz des ottonischen Kaiserhauses. Doch der größte Schatz der sachsen-anhaltinischen Kleinstadt sind die über 2.000 gut erhaltenen Fachwerkbauten aus dem 14. bis 19. Jahrhundert. Mehr geballte Fachwerkhaus-Power gibt es nirgends in Deutschland! Einen guten Überblick vermittelt das Altstadtpanorama von der auf dem Burgberg gelegenen Stiftskirche St. Servatii – einen guten Einblick dann ein Bummel durch die kopfsteingepflasterten Gassen. Dort ist es, als streife man durch ein lebendiges Museum: Häuser stehen sich dicht gegenüber, mitunter berühren sich fast die Ausleger an den Fassaden. Wein rankt an alten Mauern, darin kleine Läden und Cafés. Klingt kitschig, ist aber so.
Rothenburg ob der Tauber: Mittelalter ohne Kompromisse
Siebersturm am Plönlein
©DZT (Francesco Carovillano)
Hinter der Stadtmauer, die von 46 Türmen überragt wird, winden sich verwinkelten Gassen – gerahmt von pastellfarbenen Fachwerkhäusern, verziert mit Blumenkästen und Messingschildern. Die mittelfränkische Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber liegt auf einer Anhöhe über dem Taubertal und gilt international als der Inbegriff der mittelalterlichen deutschen Stadt, und das zu Recht: Ihr historischer Stadtkern blieb trotz der Kriegszerstörungen von 1945 und sorgfältigen Wiederaufbaus nahezu unberührt. Wahrzeichen ist das Plönlein – ein schiefes, gelbes Fachwerkhaus am Eingang zum Spitalviertel, flankiert von zwei alten Stadttürmen. Dass es Walt Disney als Vorlage für Pinocchios Geburtshaus diente, sagt viel. Wer auf der begehbaren Stadtmauer spaziert und den Blick über Türme und Spitzgiebel schweifen lässt, versteht, warum jährlich Millionen Besucher aus aller Welt den Weg nach Rothenburg finden.
Marburg: Fachwerk, Schloss und Studentenleben
Altstadt mit Rathaus
©Shutterstock (Sina Ettmer Photography)
Über gut 100 Höhenmeter zieht sich die Marburger Altstadt zum Landgrafenschloss hinauf – ein Aufstieg, der sich lohnt. Zwischen Fachwerkhäusern mit hervorstehenden Obergeschossen und mehr als 700 Gebäuden aus mehreren Jahrhunderten entfaltet sich eine einzigartige Atmosphäre, die den mittelalterlichen Charakter bis heute spürbar macht. Rund um den Marktplatz mit dem spätgotischen Rathaus und in Gassen wie der "Wettergasse" oder "Barfüßerstraße" lässt sich dieses besondere Flair hautnah erleben. Und zwischen all dem historischen Erbe sorgt die "Philipps-Universität" für lebendige Gegenwart: Cafés, Buchläden und Kneipen füllen die Altstadt mit Leben und laden zum Verweilen ein.
Celle: Geballte Fachwerk-Power
Celle: Zöllnerstraße mit Fachwerkhäusern
©Fotostudio Loeper (Ulrich Loeper)
Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich im niedersächsischen Celle, Beiname „südliches Tor zur Lüneburger Heide“, Fachwerkhäuser entlang der Altstadtstraßen. Mehr als 500, die meisten davon aufwendig restauriert und denkmalgeschützt, ergeben ein geschlossenes Stadtbild und bilden eines der größten zusammenhängenden Fachwerkensembles der Welt. Besonders alte Häuser besitzen noch eine Durchfahrt zum Hof, in denen die Ackerbürger von Celle einst ihre Ernte einbrachten. In vielen dieser mittelalterlichen Bauten befinden sich Geschäfte, Cafés und Restaurants. So kann man die architektonischen Prachtstücke nicht nur von außen bewundern, sondern auch betreten. Besonders schön sind das mit Fabelwesen verzierte Hoppener Haus von 1532 und die Alte Lateinschule in der entzückenden Kalandgasse. Was Besucher ebenfalls betreten können und es auch sollten: den nahen Französischen Garten und mehr noch das im Stil der Renaissance und des Barocks erbaute Celler Schloss.
Esslingen am Neckar: Das älteste Fachwerk Deutschlands
Neckar mit Stadtkirche St. Dionys
©DZT (Francesco Carovillano)
Wer die Ursprünge des deutschen Fachwerkbaus sucht, findet sie in Esslingen am Neckar. Mehr als 200 Fachwerkhäuser aus dem 13. bis 16. Jahrhundert prägen die Altstadt und verleihen ihr eine außergewöhnliche, fast märchenhafte Atmosphäre. Immer wieder öffnen sich zwischen den Gassen kleine Entdeckungen - vom ältesten Fachwerkhaus Deutschlands, das um 1262 erbaut wurde und heute über 750 Jahre alt ist, bis zu den historischen Häuserzeilen am Hafenmarkt. Dazwischen schlängeln sich Neckarkanäle durch die Stadt, und an den Hängen ringsum wachsen bis heute Weinreben. Am besten genießt man dieses Zusammenspiel ganz entspannt bei einem Glas Wein in einer der urigen Weinstuben.
Monschau: Die Perle der Eifel
Monschau
©AdobeStock (finke)
Eingekesselt von bewaldeten Hängen, durchzogen von der Rur und überhöht von einer mittelalterlichen Burg: Monschau in der Nordeifel gehört zu den am besten erhaltenen Fachwerkstädten Deutschlands – und das nicht durch Rekonstruktion, sondern durch glückliche Geschichte. Kriege und große Brände verschonten die Altstadt, sodass mehr als 300 denkmalgeschützte Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert bis heute original erhalten sind. Die engen, kopfsteingepflasterten Gassen, kleinen Brücken über die Rur und die schiefergedeckten Dächer verleihen dem Stadtbild eine Geschlossenheit, die in der Eifel ihresgleichen sucht. Herzstück ist das Rote Haus, ein prachtvolles Patrizierhaus von 1760 mit original erhaltener, freitragender Wendeltreppe aus Eichenholz – Zeugnis des Reichtums der Monschauer Tuchmacher. Wer den Panoramaweg oberhalb der Stadt begeht, genießt vom Kierberg einen der schönsten Blicke auf einen mittelalterlichen Stadtkern in ganz Nordrhein-Westfalen.