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Kartoffel, Grumbeere, Tüfte: Schon die vielen verschiedenen Namen verraten, wie tief die Knolle in Deutschlands regionalen Küchen verwurzelt ist. Mal landet sie gestampft auf dem Teller, mal gerieben in der Pfanne, mal wird sie zum Kloß oder zur Schupfnudel geformt.

Wer den Spuren von Nord nach Süd folgt, entdeckt mehr als regionale Rezepte. Museen, Hofläden, Kochkurse, Stadtführungen und Feste zeigen, wie eng Essen mit Landschaft, Sprache und Geschichte verbunden ist. Die Kartoffel liefert dafür einen erstaunlich vielseitigen roten – oder besser goldgelben – Faden durch das Reiseland Deutschland.

Mecklenburg-Vorpommern: Tüfte und Kartoffelgeschichte

Eine Schüssel Berliner Kartoffelsuppe mit zwei Wiener Würstchen steht auf einem hölzernen Schneidebrett Berliner Kartoffelsuppe mit Wiener Würstchen und Senf ©Stockfood / Gräfe & Unzer Verlag (Becca Crawford)

  • So heißt sie hier: Tüfte, Tüffel oder Kartoffel
  • Das kommt auf den Teller: Kartoffelsuppe, Kartoffelbrot und andere herzhafte Kartoffelgerichte
  • Hier erleben: Vorpommersches Kartoffelmuseum in Tribsees

In Mecklenburg-Vorpommern kennt die regionale Sprache mehrere Namen für die Kartoffel, darunter Tüfte und Tüffel. In der Küche zeigt sie sich entsprechend vielseitig: Kartoffelsuppe und Kartoffelbrot gehören ebenso zum überlieferten Repertoire wie Kartoffeln als Begleitung zu Fisch und anderen regionalen Gerichten. Einen tieferen Blick in diese Kultur ermöglicht Tribsees im Trebeltal. Das Vorpommersche Kartoffelmuseum zeigt historische Arbeitsgeräte, eine alte Bauernküche und verschiedene Kartoffelsorten. Besucher erfahren dort außerdem, wie die ursprünglich südamerikanische Pflanze nach Europa gelangte und sich vom Ackerprodukt zum festen Bestandteil der Alltagsküche entwickelte.

Fun Fact: Nach einer Hungersnot in Pommern erließ Friedrich II. 1746 seinen ersten Kartoffelbefehl, um den Anbau der damals noch wenig verbreiteten Knolle voranzubringen.

Lüneburger Heide: Kartoffeln vom Acker bis ins Hotel

  • So heißt sie hier: Heidekartoffel
  • Das kommt auf den Teller: Kartoffelstampf, Rösti, Kartoffelflammkuchen – sogar Kartoffeltorte
  • Hier erleben: 1. Deutsches Kartoffel-Hotel in Lübeln

Die sandigen Böden der Lüneburger Heide sind eng mit dem Kartoffelanbau verbunden. Entsprechend wandlungsfähig tritt die Heidekartoffel in der regionalen Küche auf: als Begleiter zu Heidschnucke und Forelle, als Stampf oder Rösti und in moderneren Varianten auf Flammkuchen. Selbst eine Kartoffeltorte mit Marzipan gehört zum Repertoire.

Konsequent dreht sich im 1. Deutschen Kartoffel-Hotel in Lübeln im Wendland vieles um die Knolle. Im Restaurant werden wechselnde Kartoffelgerichte mit Zutaten aus der Umgebung serviert, die Kartoffeln stammen nach Angaben des Hauses von einem Bauern aus der Nachbarschaft. Selbst die Zimmer tragen Namen von Kartoffelsorten. So wird aus einem regionalen Lebensmittel ein Reiseerlebnis.

Fun Fact: Die Geschichte des Hotels begann mit einer ungewöhnlichen Idee: Landwirte konnten einen Aufenthalt einst mit Naturalien bezahlen. Besonders häufig brachten sie Kartoffeln mit.

Thüringen: Beim Kloßseminar selbst Hand anlegen

Kartoffelknödel sind auf einem weißen Teller mit einem Stück Petersilie als Garnitur angerichtet. Kartoffelknödel ©Adobe Stock (kab-vision)

Außen rund, innen steckt erstaunlich viel Handwerk: Thüringer Klöße gehören zu den Gerichten, bei denen die Kartoffel ihre Gestalt vollständig verändert. Wie das funktioniert, lässt sich auf der Leuchtenburg bei Seitenroda ausprobieren. Beim Kloßseminar formen Teilnehmer aus frischen Kartoffeln nach traditioneller Art Thüringer Klöße. Anschließend kommen sie im Rahmen eines Drei-Gänge-Menüs auf den Tisch – begleitet von Geschichten über die regionale Spezialität.

Noch tiefer führt die Spur nach Heichelheim. Dort widmet die Thüringer Kloß-Welt der Spezialität ein eigenes Museum. Die angeschlossene „Kartoffel-Welt“ zeichnet die Geschichte der Kartoffelverarbeitung in Thüringen nach; im Kloß-Imbiss lassen sich Original Thüringer Klöße anschließend direkt probieren. Der Museumsbereich verfügt über einen barrierefreien Zugang.

Fun Fact: Die Idee für das Kloßmuseum in Heichelheim entstand 1997 nach einer Begegnung mit dem Schauspieler Manfred Krug, der auf der Suche nach einer neuen Kloßpresse war und nach einem landesweiten Aufruf zahlreiche Pressen und anderes Gerät eingingen.

Pfalz: Grumbeersupp trifft Quetschekuche

  • So heißt sie hier: Grumbeere
  • Das kommt auf den Teller: Grumbeersupp mit Quetschekuche, Grumbeerkiechle oder Grumbeere mit „Weißem Käs“
  • Hier probieren und erleben: Weinstuben, Straußwirtschaften und Hofläden in der Pfalz

Kartoffel? In der Pfalz heißt die Knolle „Grumbeere“, abgeleitet von Grundbirne. Sie prägt eine Küche, die herzhafte und süße Aromen gern zusammendenkt. Besonders charakteristisch ist Grumbeersupp mit Quetschekuche: Kartoffelsuppe trifft auf Pflaumenkuchen. Dazu kommen Grumbeerkiechle, also knusprig ausgebackene Kartoffelpuffer, und Kartoffeln mit „Weißem Käs“. Solche traditionellen Kartoffelgerichte sind unter anderem in Weinstuben und Straußwirtschaften zu finden.

Wer die Grumbeere näher an ihrem Ursprung kennenlernen möchte, folgt ihrer Spur in die vorderpfälzische Rheinebene. Dort konzentriert sich der Frühkartoffelanbau der Region. Hofläden verkaufen Kartoffeln und weitere saisonale Erzeugnisse direkt aus der Pfalz – eine unkomplizierte Möglichkeit, die kulinarische Landschaft jenseits des Restauranttellers kennenzulernen.

Fun Fact: Die Pfälzer Frühkartoffelernte beginnt bereits Ende Mai und damit früher als in allen anderen deutschen Anbaugebieten.

Saarland: Dibbelabbes auf kulinarischer Stadttour

Abgebildet ist ein Teller mit Dibbelabbes, einem traditionellen Kartoffelgericht aus dem Saarland. Das Gericht hat eine gebräunte Kruste und ist mit Kräutern und weißen Zwiebeln garniert. Auf dem Teller liegt auch eine Gabel. Saarland: Dibbelabbes, typisches Gericht aus Kartoffeln ©TZ Saarland (Eike Dubois)

  • So heißt sie hier: Grumbeere
  • Das kommt auf den Teller: Dibbelabbes und Gefillde
  • Hier erleben: Kulinarischer Stadtrundgang in Saarbrücken

Im Saarland bekommt die Kartoffel ordentlich Röstaromen. Beim Dibbelabbes werden geriebene Kartoffeln herzhaft zubereitet; „Gefillde“ sind gefüllte Kartoffelklöße. Beide Spezialitäten lassen sich in Saarbrücken mit einer Stadterkundung verbinden. Der kulinarische Stadtrundgang unter dem saarländischen Motto „Hauptsach gudd gess“ führt zu historischen Bauwerken und gastronomischen Stationen. Zum Abschluss steht in einem der Restaurants am St. Johanner Markt die Wahl zwischen Gefillde mit Leberwurst und Hackfleisch oder vegetarischem Dibbelabbes mit Apfelmus.

So erzählt die Kartoffel nebenbei etwas über die Lage des Saarlandes: Die Küche der Region verbindet bodenständige Gerichte mit französischen Einflüssen. Beim Rundgang wird daraus eine kulinarische Einführung in Saarbrücken, bei der Stadtgeschichte und Geschmack gemeinsam auf dem Programm stehen.

Fun Fact: „Hauptsach gudd gess“ bringt eine saarländische Genussmaxime auf den Punkt: Hauptsache, gut gegessen.

Schwaben: Schupfnudeln zwischen Pfanne und Volksfest

Eine Hand hält einen weißen Teller mit schwäbischen Maultaschen und Kartoffelsalat. Drei Personen, die gemeinsam speisen, sind unscharf zu sehen. Stuttgart: Maultaschen mit Kartoffelsalat, schwäbische Spezialität ©Stuttgart-Marketing GmbH (SMG) (Jean-Claude Winkler)

  • So heißt sie hier: Kartoffel
  • Das kommt auf den Teller: Schupfnudeln mit Sauerkraut oder Maultaschen mit Kartoffelsalat
  • Hier probieren: auf Festen und in der regionalen Gastronomie, etwa in Stuttgart

Goldbraun aus der Pfanne, länglich geformt und gern mit Sauerkraut kombiniert: Schupfnudeln gehören zur süddeutschen Küche und sind besonders in Baden-Württemberg verbreitet. Es gibt sie herzhaft als Beilage zu Fleischgerichten oder klassisch mit Kraut, aber ebenso süß mit Zimt und Zucker. Ihre Geschichte reicht weiter zurück als die heute verbreitete Kartoffelvariante: Bereits im Dreißigjährigen Krieg formten Landsknechte längliche Nudeln aus ihren Mehlrationen. Rezepturen entwickelten sich später regional unterschiedlich weiter.

In Stuttgart gehören Schupfnudeln mit Sauerkraut zur Festküche. Sie werden beispielsweise beim Stuttgarter Weindorf neben anderen schwäbischen Spezialitäten wie Maultaschen mit Kartoffelsalat angeboten. Damit zeigt sich die Kartoffel hier von ihrer geselligen Seite: nicht als feines Einzelgericht, sondern als unkompliziertes Essen zwischen Festlauben, Wein und Stadtleben.

Fun Fact: Die frühen Schupfnudeln kamen ganz ohne Kartoffeln aus. Erst die regionale Weiterentwicklung machte aus der alten Mehlspeise vielerorts die heute bekannte Kartoffelnudel.