Martin Luther gehört zu den prägenden Figuren der europäischen Geschichte. Mit seinen im Jahre 1517 veröffentlichten Thesen revolutionierte er die Kirche und ebnete den Weg für die Reformation. Sein Leben, seine Werke und seine Ideen sind noch heute vielerorts erlebbar.

Bei Umfragen zu den „bedeutendsten Deutschen der Geschichte“, schafft es Martin Luther regelmäßig an die Spitze. Schließlich war er nicht nur Theologe und Mönch, sondern entscheidender Reformator, dessen Einfluss weit über die Landesgrenzen hinausging. Luther stellte die Autorität des Papstes infrage, was zu seiner Zeit als unerhört galt. Außerdem übersetzte er die Bibel ins Deutsche, damit sie für alle verständlich wurde. Ein Akt mit weitreichenden Folgen, führte seine Reformbewegung doch zur Spaltung der westlichen Kirche und zum Grundstein für die evangelische Tradition. Und auch wenn der Rebell schon seit fast 500 Jahren tot ist, prägen seine Ansichten über Bildung, Glaubensfreiheit und Gewissensentscheidungen noch heute Gesellschaft und Kultur. Die Relevanz seiner Gedanken für die Gegenwart können Interessierte am besten an Luthers historischen Wirkungsstätten entdecken und nebenbei die Atmosphäre des 15. und 16. Jahrhunderts nachfühlen.

Eisleben: Geburts- und Sterbeort

Ein Raum im Luthers Sterbehaus in Eisleben mit Holzwänden und -decken. Eine Holzkonstruktion mit Glasscheiben In der Mitte. Eisleben: Luthers Sterbehaus, UNESCO Weltkulturerbe ©DZT (Christof Herdt)

In Eisleben wurde Luther 1483 geboren und verstarb 1546 nach einem bewegten Leben. Sein Geburtshaus, das Lutherhaus Eisleben, ist heute ein Museum. Es gibt Einblicke in seine Kindheit und Jugend und macht die gesellschaftlichen und religiösen Umstände jener Zeit lebendig. Im nahe gelegenen Sterbehaus steht dagegen Luthers Tod im Mittelpunkt. Wie das Geburtshaus und weitere Orte in Lutherstadt Wittenberg gehört es seit 1996 zum UNESCO-Welterbe Luthergedenkstätten. Anhand zeitgenössischer Berichte, Objekte, Porträts und multimedialer Stationen zeigt die Dauerausstellung auch, wie bereits früh ein regelrechter Mythos um den Kirchenrebell entstand.

Erfurt: Studium und Klosterleben

Der Erfurter Dom und die Severikirche im warmen Licht eines Sonnenuntergangs, umgeben von der historischen Stadtlandschaft Erfurter Dom und Severikirche ©Adobe Stock (Steffen Knaust)

An der Universität der thüringischen Stadt Erfurt erwarb Luther seinen Magisterabschluss und begann, sich intensiv mit Theologie auseinanderzusetzen. Nach einem Gewitterdrama trat „der Philosoph“, wie ihn Kommilitonen nannten, in den Augustinerorden ein. Das Kloster, in dem Luther sechs Jahre als Mönch lebte und wirkte, kann besichtigt werden. Neben der Klosterkirche, in der Luther wie im Erfurter Dom und andernorts Predigten hielt, beherbergt es auch eine Ausstellung. Diese veranschaulicht, wie ihn die Zeit im Augustinerkloster Erfurt auf seine reformatorische Mission vorbereitete.

Lutherstadt Wittenberg: Die Wiege der Reformation

Der Marktplatz in Wittenberg ist mit Kopfsteinpflaster gepflastert. Um den Platz herum befinden sich historische Gebäude und Geschäfte. Im Hintergrund steht die Stadtkirche St. Marien mit zwei markanten Türmen. Im Vordergrund befindet sich ein Denkmal mit einer Statue. Die Gebäude haben einen ähnlichen Baustil mit verzierten Fenstern und roten Dächern. Die Gebäude rechts und im Hintergrund werden von der Sonne angestrahlt, die Fassade links liegt im Schatten. Der Himmel ist blau und wolkenlos. Wittenberg: Marktplatz mit Stadtkirche St. Marien ©DZT (Francesco Carovillano)

Der Ort, an dem die Reformation Gestalt annahm, heißt Wittenberg. Am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine berühmten 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche. In diesen Thesen prangerte er unter anderem die Praxis des Ablasshandels und die Käuflichkeit kirchlicher Ämter an. Dieser Akt veränderte die Kirchengeschichte grundlegend. Heute ist jenes Gotteshaus ebenso Teil des UNESCO-Welterbes wie die Stadtkirche St. Marien und das Lutherhaus Wittenberg, das als wichtigstes Museum über den Reformator gilt. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Ausstellung auch viele Devotionalien präsentiert. Darunter eine Privatbibel und sein Testament.

Gut zu wissen: Die Stadt heißt seit 1938 Lutherstadt Wittenberg und feiert jedes Jahr mehrere Festivals mit Reformationsbezug. Ein interessantes Bild von der damaligen Zeit vermittelt auch das 360-Grad-Panorama „Luther 1517“ von Yadegar Asisi. Mit Licht, Klang und Perspektive macht das 15 × 75 Meter-Rundgemälde Geschichte multisensorisch erlebbar. Wer genau hinsieht, findet im Gewimmel die beiden Cranachs und Philipp Melanchthon, Luthers engen Freund. Sein Wohnhaus gehört ebenfalls zum UNESCO-Welterbe und kann als Museum besichtigt werden.

Eisenach und die Wartburg: Übersetzung der Bibel

Wartburg im Sonnenaufgang Wartburg in der Morgensonne ©Thüringer Tourismus GmbH (Florian Trykowski)

Mit Eisenach ist Luther durch seine Schulzeit im heutigen Lutherhaus bei Familie Cotta verbunden, mehr noch aber durch seinen Aufenthalt auf der nahen Wartburg. Dort schlüpfte er nach seiner Flucht vom Wormser Reichstag, bei dem er als Ketzer verurteilt wurde, als „Junker Jörg“ unter. In dieser Zeit übersetzte er das Neue Testament ins Deutsche – ein Meilenstein, der nicht nur den Glauben, sondern auch die deutsche Sprache revolutionierte. Heute geben Burgführungen Einblicke in Luthers Arbeitszimmer und originale Manuskripte. Das Lutherhaus in Eisenach ergänzt das Bild und widmet sich Luthers Zeit in der Stadt.

Wer noch tiefer ins Thema einsteigen will, folgt den „Routen der Reformation“. Auf diesem Wegenetzwerk liegen auch Mansfeld, wo Luther aufwuchs, Leipzig, wo er disputierte, und weitere Stationen wie Halle, Coburg und Nürnberg. Tipp: An all diesen Orten finden Führungen und Events mit Reformationsbezug statt. Kurz: Mehr Luther geht nicht!