Städte & Kultur

Deutsche Städte als Filmkulisse

Berlin: Brandenburger Tor vom Platz des 18. März aus ©DZT (Francesco Carovillano)

Dahin reisen, wo Brad Pitt oder Halle Berry schauspielern? Dazu müssen Sie nicht nach Hollywood pilgern. Auch Städte in Deutschland dienen regelmäßig als Kulisse für ganz großes Kino. Eine Auswahl.

Das Brandenburger Tor, die Berliner Mauer oder der Tiergarten-Tunnel – Berlin bietet jede Menge imposante Filmkulissen. Zur Zeit der deutschen Teilung entstanden an der Nahtstelle zwischen Ost und West packende Agententhriller. Berlin ist aber nur ein Beispiel. In vielen anderen deutschen Städten liefen die Kinokameras schon heiß. Und Hollywood ist immer wieder zu Gast zwischen Rhein und Oder.


Die Berliner Mauer als Filmkulisse

In der deutschen Hauptstadt wurde früh Filmgeschichte geschrieben mit Klassikern wie "Berlin – die Sinfonie einer Großstadt“ (1927) von Walter Ruttmann oder Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin" (1987). Und hier sprintete Franka Potente für „Lola rennt“ (1998) über die Oberbaumbrücke, bevor sie an der Seite von Matt Damon ihr Schauspielkönnen auch in die "Bourne Verschwörung" (2004) zeigte. Für den Agententhriller diente der Tiergartentunnel einer Verfolgungsjagd, als der Ex-Auftragskiller Jason Bourne schreckte Matt Damon im "Westin Grand Hotel“ aus Albträumen auf und wurde am Wohnkomplex Spitteleck in Berlin-Mitte angeschossen.

Aber auch das Original des Genres war schon in der Hauptstadt: Als der Eiserne Vorhang noch hing, reiste Roger Moore für Szenen im James-Bond-Streifen „Octopussy“ (1983) an. Gedreht wurde an der Berliner Mauer und am Grenzübergang Checkpoint Charlie. Auch über die AVUS, einst Rennstrecke, raste der britische Mime.


Hollywood in Deutschland: Das Who-is-Who zu Gast in Babelsberg

Seinen Oscar-gekrönten Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte leistete Regisseur Florian Henkel von Donnersmarck mit dem Drama "Das Leben der Anderen" (2006). Viele Szenen nahm er in der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg auf, in dem heute das Stasi-Museum untergebracht ist.

Von Berlin ist man in knapp einer Stunde in Babelsberg – Stadtteil von Brandenburgs Hauptstadt Potsdam und Namensgeber für eines der ältesten Filmstudios der Welt, über 3000 TV- und Kinofilme entstanden hier, darunter mit „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang der erste abendfüllende Science-Fiction-Film.

Die Liste der Regisseure, die ihre Takes in Babelsberg aufnahmen, liest sich wie ein Who-is-Who: Alfred Hitchcock, Billy Wilder, Roland Emmerich, Wes Anderson, Steven Spielberg oder etwa die Wachowskis, die das Babelsberger Großatelier für „V wie Vendetta“ (2005) und „Cloud Atlas“ (2012) mit Halle Berry, Hugh Grant und Tom Hanks nutzten. Durch Originalkulissen und Außensets können Touristen im benachbarten „Filmpark Babelsberg“ laufen.


Ein bekanntes U-Boot als Drehort in Deutschland

Ein andere legendäre Produktionsstädte liegt im Süden Münchens: die Bavaria Film, die 1919 als Münchner Lichtspielkunst AG gegründet wurde. Mit „Das Boot“ (1981) wurde hier einer der bekanntesten deutschen Leinwandstreifen abgedreht. Regisseur Wolfgang Petersen inszenierte bedrückende Innenaufnahmen im U-Boot U96 mit Jürgen Prochnow, der daraufhin in Hollywood durchstartete.

Stars wie Dustin Hoffman und Alan Rickman standen in München für „Das Parfum“ vor der Kamera. Und auch der dreifache Oscar-Gewinner Oliver Stone reiste in die bayerische Hauptstadt – um "Snowden“ (2016) zu drehen, ein Film über den Whistleblower Edward Snowden. Dazu wurden Räume des Olympiastadions zum NSA-Hauptquartier auf Hawaii umgestaltet. Im Rahmen von Filmtouren auf dem Gelände der Bavaria-Studios in Grünwald können Original-Requisiten und -Modelle bestaunt werden – zum Beispiel die Kulisse der U96. Anhand von unveröffentlichtem Filmmaterial oder Kostümen ist zudem die über 100-jährige Filmgeschichte dokumentiert.

Eine andere Stadt ganz im Osten Deutschlands hat sich aufgrund seiner Filmtradition sogar einen Spitznamen erarbeitet, der sich an der US-Traumfabrik Hollywood anlehnt: Görliwood. Görlitz liegt im östlichsten Zipfel der Republik am Flüsschen Neiße an der Grenze zu Polen im Bundesland Sachsen. Das historische Stadtbild zählt zu den am besten erhaltenen in ganz Mitteleuropa, in der sanierten Altstadt stehen Bauwerke aus vielen Epochen.


Filmkulisse an der Neiße: Görliwood statt Hollywood

Zum Beispiel das Jugendstil-Warenhaus gefiel den Produzenten von „Grand Budapest Hotel“ (2014) so gut, dass sie es als Kulisse für die US-Komödie wählten. Seit den 1950er-Jahren diente Görlitz, das mit 4000 Baudenkmälern als größtes Flächendenkmal Deutschlands gilt, als Drehort für mehr als 100 Filmproduktionen.


Ein Gemetzel für "Inglourious Basterds"

Durch Dreharbeiten zur Action-Komödie "In 80 Tagen um die Welt" (2004) mit Jackie Chan erlebte Görlitz den Durchbruch als Filmkulisse. Für „Der Vorleser“ (2008) mimte Kate Winslet als Straßenbahnschaffnerin Fahrszenen am Demianiplatz – und räumte den Oscar als beste Hauptdarstellerin ab. Auch Kultregisseur Quentin Tarantino zog es nach Görliwood: Für "Inglourious Basterds" (2009) mit Brad Pitt musste der Untermarkt für ein Gemetzel herhalten.


Festungen und Burgen als Filmlocation

Eine der aufwändigsten Filmproduktionen Europas wurde aber in Bayern gestemmt. Zunächst sollten Schlösser und Burgen für „Die drei Musketiere“ (2011) von Regisseur Paul Anderson am Computer entstehen. Doch dann entdeckte das Produktionsteam wundervolle Locations für das 3D-Spektakel mit Milla Jovovich, Orlando Bloom und rund 2500 Komparsen in mehreren deutschen Städten: Festung Marienberg in Würzburg, die Münchner Residenz, einst Sitz bayerischer Könige, oder die Alte Hofhaltung aus dem 11. Jahrhundert in der Stadt Bamberg in Oberfranken.

Andere deutsche Städte halten ebenfalls immer wieder tolle Kulissen bereit – Köln ("Die fabelhafte Welt der Amélie", 2001) mit Audrey Tautou, Hamburg ("Kick it like Beckham“, 2002) mit Keira Knightley oder Leipzig ("The first Avenger", 2014) mit Scarlett Johansson.


Original-Schauplätze als Drehorte in Deutschland

Für Filmfans ist es besonders reizvoll, wenn an den Original-Schauplätzen nicht nur fiktive Filmkunst erschaffen wurde, sondern sich wahre Geschichte zutrug – wie auf der Veste Coburg, die als Wartburg in („Luther“, 2003) fungierte. Auf der mittelalterlichen Festung lebte der Reformator tatsächlich eine Zeit lang. Oder im Buddenbrookhaus in Lübeck, das Aufnahmen zu "Buddenbrocks" (2008) diente. Hier wohnten die Großeltern Thomas Manns, der für die Romanvorlage 1929 den Literaturnobelpreis erhielt. Aber das ist eine andere Geschichte.