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Die Goldenen Zwanziger waren eine Zeit des Aufbruchs, des Experiments und der Widersprüche. Eine Zeit, die bis heute nachwirkt. In Tanzsälen und Bauhaus-Klassenzimmern, in Stummfilm-Vorführungen und expressionistischen Stadtvierteln lebt dieses Jahrzehnt weiter. Deutschland ist ein idealer Ort, um dieser Epoche nachzuspüren.

In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts tanzte Deutschland zwischen Inflation und Aufbruchsstimmung, zwischen Kabarett und Kino, zwischen avantgardistischer Architektur und Jazz-Seligkeit. Die Weimarer Republik brachte eine kulturelle Explosion hervor, deren Spuren bis heute zu entdecken sind – in Tanzsälen, Kinopalästen, kühnen Bauten und lebendigen Bühnen. Eine Reise zu den Orten des Goldenen Zeitalters ist eine Reise in eine aufregende Dekade der deutschen Geschichte.

Swing, Revue und Nachtleben: Der Sound der Zwanziger lebt

Live-Musik im Clärchens Ballhaus Berlin Live-Musik im Clärchens Ballhaus Berlin ©visitberlin (Philip Koschel)

Wer verstehen will, warum Berlin in den Zwanzigern als Welthauptstadt des Nachtlebens galt, der sollte Clärchens Ballhaus in der Auguststraße besuchen. Der Tanzsaal existiert seit 1913, und noch heute wird hier zu Swing, Walzer und Foxtrott getanzt. Wände voller Patina, Kronleuchter, der Duft von Geschichte: Wer hier tanzt, spürt die Atmosphäre der 20er Jahre.

Keine zwei Kilometer entfernt erinnert der Admiralspalast an eine andere Seite der Dekade: die große Revue. Das legendäre Showtheater, 1910 als Badeanstalt erbaut und schon in den Zwanzigern ein Tempel der Unterhaltung, zeigt bis heute Konzerte, Musicals und Varieté-Abende. Wer tiefer in die Welt des Berliner Varietés eintauchen möchte, findet im Wintergarten Varieté eine weitere Adresse mit Tradition – Shows, die an die goldenen Jahre der Revue anknüpfen.

In Hamburg schlägt das Herz des Nachtlebens auf dem Kiez. St. Pauli und die Reeperbahn haben ihre Energie aus genau jener Zeit gespeist, als Hafen, Musik und das Verlangen nach Freiheit zusammentrafen. Heute finden sich hier Jazzclubs und Musikbühnen, die an das freizügige Lebensgefühl der Weimarer Jahre erinnern. Auch Leipzig, einst wichtiges Zentrum der Musikszene, pflegt sein Erbe: In Jazz- und Retro-Clubs lebt der Klang der Zwanziger weiter.

Bauhaus und Neue Sachlichkeit: Architektur als Manifest

Bauhausmuseum Dessau Bauhausmuseum Dessau ©Investitions- und Marketing­gesellschaft Sachsen-Anhalt mbH (Volkmar Heinz)

Kein Ort steht symbolischer für den gestalterischen Geist der Zwanzigerjahre als Dessau. Das Bauhaus – 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet und ab 1925 in Dessau beheimatet – lehrte dort eine Einheit von Kunst, Handwerk und Industrie, die die Designwelt bis heute prägt. Das heutige Bauhaus Dessau, ein UNESCO-Welterbe, öffnet seine Türen für Führungen, Ausstellungen und Workshops. Die Meisterhäuser in der Umgebung, in denen Klee, Kandinsky und Feininger lebten, sind ebenfalls zu besichtigen.

In Weimar selbst erzählt das Bauhaus-Museum von den Anfangsjahren der Bewegung, während das Haus am Horn – ein einzigartiges Versuchshaus aus dem Jahr 1923 – zeigt, wie radikal die Ideen der damaligen Zeit waren: funktional, klar, ohne historischen Ballast. Beide Orte sind Teil der Klassischen Moderne in Thüringen und lassen sich gut kombinieren.

In Frankfurt wiederum prägen die Ernst-May-Siedlungen das Stadtbild – ein Zeugnis der Neuen Sachlichkeit und des sozialen Städtebaus der Weimarer Republik. Das Römerstadt-Viertel lässt sich gut zu Fuß erkunden.

Stummfilm und Leinwandmagie: Kino als Zeitreise

Publikum sitzt vor Leinwand auf der ein schwarz-weiß Film gezeigt wird Internationale Stummfilmtage in Bonn ©Förderverein Filmkultur Bonn e.V. (Salah Nassan)

Deutschland war in den Zwanzigerjahren eine Weltmacht des Films. Fritz Langs "Metropolis", Murnaus "Nosferatu", sie haben das Weltkino geprägt. Wer heute ins Babylon-Kino in Berlin-Mitte eintritt, betritt ein Original dieser Ära: 1929 eröffnet, ist es eines der wenigen erhaltenen Kinos aus jener Zeit, das noch immer Filme zeigt.

Wer sich für die Drehorte der Erfolgsserie "Babylon Berlin" interessiert, der sollte einen Besuch im Studio Babelsberg einplanen – dem ältesten Großfilmstudio der Welt, das seine Wurzeln ebenfalls in den Zwanzigerjahren hat.

Ein besonderes Highlight für Stummfilmfans sind die Internationalen Stummfilmtage in Bonn. Das Festival, das seit Jahrzehnten jährlich im Sommer im Kino in der Brotfabrik stattfindet, widmet sich dem Erbe des frühen Kinos mit einer einzigartigen Mischung aus seltenen Archivfilmen, Live-Orchesterbegleitung und thematischen Retrospektiven.

Volkstheater und Moderne Bühne: Wo die Ideen geboren wurden

Das Bild zeigt die Volksbühne, ein markantes Gebäude in einer Stadt. Der Bau ist aus hellem Stein mit großen Säulen und dem Schriftzug Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz ©AdobeStock (eyetronic)

Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin gehört zu den Gründungsinstitutionen des modernen deutschen Theaters. In den Zwanzigerjahren war sie ein Ort des politischen und künstlerischen Aufbruchs, der das Theater als Volkskunst verstand. Heute ist sie immer noch eine der prägenden Bühnen des Landes, mit einem Spielplan, der zwischen Klassik und Provokation balanciert.

In München laden die Münchner Kammerspiele dazu ein, die Moderne aus einem neuen Blickwinkel zu erleben. Das Haus, das in den Zwanzigerjahren mit expressionistischen Inszenierungen Aufsehen erregte, bleibt eines der wichtigsten Sprechtheater Deutschlands – und bewahrt das Erbe einer Zeit, in der das Theater noch wirklich umstürzend war.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Was sind die wichtigsten Orte für Fans der Weimarer Republik in Deutschland?

Zu den wichtigsten Orten zählen Berlin (Clärchens Ballhaus, Babylon-Kino, Volksbühne), Dessau und Weimar (Bauhaus-Stätten), Hamburg (Chilehaus, Reeperbahn), Frankfurt (Ernst-May-Siedlungen) sowie Görlitz als originale Filmkulisse der Zwanziger.

Wo kann ich das Bauhaus-Erbe am besten erleben?

Das UNESCO-Welterbe Bauhaus Dessau bietet Führungen, Ausstellungen und Workshops. In Weimar ergänzen das Bauhaus-Museum und das Haus am Horn das Gesamtbild. Alle drei Orte lassen sich gut als Rundreise durch Thüringen und Sachsen-Anhalt kombinieren.

Gibt es heute noch authentische Zwanzigerjahre-Locations in Berlin?

Ja – Clärchens Ballhaus ist seit 1913 geöffnet und vermittelt mit Swing-Abenden und originaler Einrichtung ein echtes Gefühl der Epoche. Das Babylon-Kino (1929) zeigt regelmäßig Stummfilme mit Live-Klavierbegleitung. Der Admiralspalast und der Wintergarten Varieté knüpfen an die Revue-Tradition an.

Was hat Görlitz mit den Goldenen Zwanzigern zu tun?

Görlitz besitzt eine der am besten erhaltenen gründerzeitliche Stadtviertel Deutschlands und dient deshalb häufig als Filmkulisse für Produktionen, die in den Zwanziger- und Dreißigerjahren spielen – daher der Spitzname "Görliwood". Auch ohne Film ist ein Spaziergang durch die Altstadt wie eine Reise in die Vergangenheit.

Wann ist die beste Reisezeit, um das Zwanzigerjahre-Flair in Deutschland zu erleben?

Grundsätzlich das ganze Jahr. Viele Veranstaltungen – Swing-Abende, Stummfilm-Vorführungen, Bauhaus-Workshops – finden ganzjährig statt. Besonders atmosphärisch ist Berlin in den Wintermonaten, wenn das Nachtleben aufblüht. Für Stadtführungen und Architektur empfehlen sich Frühjahr und Herbst.

Kann ich Studios besuchen, in denen "Babylon Berlin" gedreht wurde?

Das Studio Babelsberg bei Potsdam ist das älteste Großfilmstudio der Welt und kann besichtigt werden. Viele Innenaufnahmen der Serie entstanden dort. Das Studio bietet Führungen an, bei denen auch Produktionsgeheimnisse der Weimarer Zeit erklärt werden.