Wer vor nun auch schon wieder über 20 Jahren glaubte, Bonn verfiele ohne Hauptstadtehren in einen Dornröschenschlaf, sah sich getäuscht. Die Stadt am Rhein ist eine Wirtschafts- und Kulturmetropole von internationalem Rang und präsentiert sich selbstbewusst, quicklebendig und gleichzeitig ziemlich gelassen. Und auch auf politischer Bühne spielt Bonn nach wie vor mit: als „Zweitwohnsitz“ der Republik, Sitz von 16 Einrichtungen der Vereinten Nationen und einer ganzen Reihe weiterer internationaler Organisationen.
Die Bonner Republik: fast schon „die gute alte Zeit“
Es waren nicht die schlechtesten Zeiten, in denen Bonn als Hauptstadt Deutschland repräsentierte; die „Bonner Republik“ steht bis heute für den Aufstieg nach dem Krieg, für Diplomatie und Demokratie. Der „Weg der Demokratie“ – so heißt auch ein Rundgang, der am Haus der Geschichte beginnt und an wichtigen zeitgeschichtlichen Orten im ehemaligen Regierungsviertel vorbeiführt. Authentische Stätten wie das Palais Schaumburg, der Kanzlerbungalow oder der ehemalige Bundesratssaal können noch immer besichtigt werden.
Die Stadt als Museum – und die Museen der Stadt
Bonn ist aber nicht nur ExHauptstadt; auch sein Ruf als Stadt der Künste reicht weit. Mit international beachteten Inszenierungen empfiehlt sich das Theater Bonn als eine erste Adresse für ein anspruchsvolles Publikum, und die seit 1992 ausgetragene Schauspiel-Biennale hat sich als internationales Festival ebenfalls fest etabliert.
Bedeutendes findet der Besucher in zwei der wichtigsten Kunstmuseen Deutschlands, im Kunstmuseum Bonn und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, besser bekannt als Bundeskunsthalle. Das Kunstmuseum bietet eine der umfangreichsten Sammlungen des deutschen Expressionismus, außerdem deutsche Kunst der Gegenwart und internationale Grafik ab 1945. Die Kunsthalle hingegen hat Höheres im Sinn: Hier soll der „geistige und kulturelle Reichtum“ des Landes angemessen präsentiert und der internationale Dialog zwischen Kultur und Politik gepflegt werden. Große Ziele – aber Millionen Besucher jedes Jahr sprechen dafür, dass dieser Anspruch tatsächlich erfüllt werden kann.
Sommerzeit, Festzeit: Kultur am und auf dem Rhein
Von Klassik bis Hip-Hop: die Bandbreite der Musikrichtungen ist charakteristisch für den traditionellen „Bonner Sommer“, der alljährlich von Juni bis September stattfindet und schon seit über 35 Jahren die ganze Innenstadt in eine Bühne verwandelt. Entlang der schönsten Rheinabschnitte – und somit natürlich auch in Bonn – finden jährlich von Mai bis September die Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen“ statt. In das Licht bengalischer Feuer getaucht, präsentieren sich die Uferpromenaden und die Sehenswürdigkeiten entlang des Flusses in einem magischen roten Schein, und auf dem Wasser kreuzt eine Flotte festlich illuminierter Schiffe, umrahmt von zauberhaften Feuerbildern am Himmel: Romantik pur, mit garantierter Gänsehaut für die ganze Familie. Vielleicht eher nicht für die ganze Familie ist dagegen Rheinkultur gedacht: Punk, Hardrock, Garage, Indie, Blues und Folk locken jeden Sommer bis zu 170.000 Besucher an.