Erfurt, Krämerbrücke
Erfurt, Krämerbrücke ©dpa

Rendezvous in der Mitte Deutschlands: Erfurt

Die bevorzugte Lage am Kreuzungspunkt alter deutscher und europäischer Handelsstraßen, ein früher und weitreichender Markt- und Handelsverkehr und die Errichtung einer Königspfalz begünstigten die glänzende Entwicklung Erfurts zur Hauptstadt des Landes Thüringen. Doch nicht nur gekrönte Häupter und Kaufleute begegneten sich hier, sondern auch Kultur und Literatur, Geist und Geistlichkeit – und die Erfurter ihren Gästen aus der ganzen Welt.

Das Erlebnis Mittelalter: täglich live in Erfurt

Türmereiches Erfurt – so rühmte Martin Luther einst die Stadt, weil sich hier die Türme von 25 Pfarrkirchen, 15 Klöstern und Stiften und zehn Kapellen in den Himmel reckten. Die große Zahl der Gotteshäuser, allen voran Dom und Severikirche, veranlassten Chronisten und Zeitgenossen, vom Thüringischen Rom zu sprechen. Und tatsächlich ist das Ensemble von Mariendom und Severikirche einzigartig in Europa, wuchtig und erhaben die Stadt überragend, architektonische Meisterwerke der deutschen Gotik. Im Inneren des Doms beeindruckt besonders der Chor, dessen 13 fast 18 Meter hohe Glasfenster einen farbenprächtigen Zyklus bilden. Prächtig ist auch die „Gloriosa“, 1497 gegossen, die größte frei schwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Heute werfen die Kirchtürme ihre Schatten auf liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser und die Fassaden schöner Renaissancebauten. Der mittelalterliche Stadtkern Erfurts ist einer der am besten erhaltenen und größten Deutschlands. Das Augustinerkloster, in dem Martin Luther fünf Jahre als Bettelmönch lebte, die Predigerkirche, heute evangelische Hauptkirche und zweitgrößte Kirche Erfurts, oder die Festungsanlagen auf der Zitadelle Petersberg, eine der ältesten erhaltenen Stadtfestungen, sind großartige Beispiele mittelalterlicher und neuzeitlicher Baukunst.

Erfurt ist eine Stadt der Kirchen – und der Brücken. Insgesamt 142 Brücken überspannen die Gera, ihre vielen Nebenflüsschen und den Flutgraben entlang der einstigen Stadtmauer. Die zahlreichen Wasserläufe und Brücken brachten dem Innenstadtviertel den Namen „Klein Venedig“ ein. Bedeutend für den Handelsverkehr im Mittelalter waren Lehmannsbrücke und Lange Brücke, die berühmteste aber ist sicher die Krämerbrücke. Schon im Jahr 1117 wurde sie erstmals als Holzbrücke erwähnt und später aus Stein errichtet.

Wo die Festsaison ungefähr zwölf Monate im Jahr dauert

Es gibt viele gute Gründe, nach Erfurt zu kommen – und mindestens ebenso viele gute Anlässe. Einer davon ist schon früh im Jahr die Fastnachtszeit, ein anderer das Krämerbrückenfest, Thüringens größtes Altstadtfest. Von weit her strömen die Besucher in die alten Gassen rund um die Krämerbrücke und lassen sich ins Mittelalter versetzen. Der Erfurter Töpfermarkt bietet keramische Kostbarkeiten, im Sommer verwandelt der Blumen- und Gartenmarkt den Domplatz in einen farbenfrohen Teppich, und im Herbst präsentiert der Getreidemarkt Obst, Gemüse, Honig und anderes aus heimischer Ernte. Singende Kinder ziehen jedes Jahr am 10. November mit Lampions durch Straßen und Gassen, um zum Martinimarkt des heiligen Martin zu gedenken und an den Reformator Martin Luther zu erinnern. Und in der Adventszeit liegt ein herrlicher Duft aus Zimt, Ingwer und gebrannten Mandeln über der Stadt. Dann laden Weihnachtskrippe, Märchenwald, Backstuben, Kunsthandwerk, Pfefferkuchenhäuschen und besinnliche Klänge im Glanz Tausender Lichter vor der einmaligen Kulisse des Domplatzes auf einen der schönsten und berühmtesten Weihnachtsmärkte Deutschlands ein. Ein Erlebnis, das, wie die ganze Stadt, berührt und begeistert zugleich.

Highlights

Kaufladen des Mittelalters: die Krämerbrücke

Auf Luthers Wegen im Augustinerkloster

Jüdisches Leben und die Alte Synagoge

Wehrhaft: die Zitadelle Petersberg