Leipzig, bunt, heiter und dem Neuen zugewandt, ist gut für alle Sinne. In der dynamischen Buch-, Bach-, Messe- und Universitätsmetropole im Nordwesten Sachsens pulsiert das Leben. Leipzig ist aber auch renommierte Musikstadt – und die Heldenstadt der friedlichen Revolution: Mit den Friedensgebeten rückte die Leipziger Nikolaikirche 1989 ins Zentrum des Weltgeschehens.
Wo 6.638 Pfeifen für den guten Ton sorgen
Leipzig ist eine quirlige, aufregende Kultur- und Szenestadt. Goethe, der hier studierte, verglich die Stadt mit Paris, und das, wie er sagte, nicht nur der schönen Mädchen wegen. Vielleicht hatte er auch das Gewandhaus im Sinn, Heimstatt des schon 1743 gegründeten Gewandhaus-Orchesters, später lange geleitet von Kurt Masur. Beeindruckend die Orgel des Hauses: 6.638 Pfeifen – die größte misst 9,5 Meter, die kleinste 8 Zentimeter – sorgen für bombastischen Klang. Oder er meinte die Oper, ein Haus mit über 300-jähriger Tradition, eines der ältesten Musiktheater Europas und heute berühmt für das reichhaltige Repertoire großer Werke vom Barock bis zur Moderne.
Das zweite Wohnzimmer: Leipzigs ältestes Kaffeehaus
Das Alte Rathaus am Markt ist das Zentrum der Altstadt. Es gilt als eines der schönsten deutschen Beispiele für den Renaissancestil des späten 16. Jahrhunderts. Seit 1909 ist hier das Stadtgeschichtliche Museum untergebracht, mit rund 500.000 Exponaten eines der größten seiner Art. Ebenfalls in der Altstadt befindet sich eines der ältesten Kaffeehäuser Europas: Zum Arabischen Coffe Baum. Seit 1711 und in den 16 historischen Gasträumen wählten schon Kaffeekenner wie Bach, Goethe, Schumann, Liszt, Lessing, Grieg, Wagner oder auch Napoleon und August der Starke ihre Lieblingssorte aus.
Gedenkstätten der Wende: Nikolaikirche und Stasi-Zentrale
Die Nikolaikirche in der Innenstadt ist eng mit Geschichte und Geschicken der Bürger verbunden. Sie war zu DDR-Zeiten ein Hort des Gebetes und des Protestes. Hier versammelten sich seit Herbst 1982 Regimegegner zum montäglichen Friedensgebet und machten so die Kirche schließlich zum zentralen Punkt der Revolution vom Herbst 1989. Mit welchen Mitteln die DDR die Entwicklung aufhalten wollte, sieht man an einer anderen Gedenkstätte: Im Museum in der „Runden Ecke“, so genannt nach der Form des Gebäudes, in dem die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit ihren Auftrag – „Horchen und Greifen“ – erfüllte. Die Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ zeigt Dokumente, Fotografien und originale Arbeitsutensilien, z.B. Riech- proben, Minikameras und Wanzen. Sie gibt so Einblick in die Arbeitsweise der Stasi, des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.
Wem jetzt der Sinn nach etwas Erfreulicherem steht, dem sei ein Kneipenbummel ins nahe Barfußgässchen empfohlen, unmittelbar am Markt. Viele weitere Lokale warten überall in der Innenstadt und weiter westlich in der Gottschedstraße, etwas alternativer geht es in der Südvorstadt zu. Eine Leipziger Bierspezialität ist die Gose, ein nachvergorenes, trübes Bier von eigenwilligem Geschmack. Wahrscheinlich wird es nicht das bevorzugte Bier aller, aber einen Versuch ist es wert. Aber dies gilt ohnehin für alles, was Leipzig zu bieten hat.